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Mythos Atomkraft: Warum der nukleare Pfad ein Irrweg ist: Schriften zur Ökologie Band 12 (2010)

AuteurAntony Froggatt, H.Böll Foundation
Datum2010
Classificatie 6.01.0.00/264 (ALGEMEEN)
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VORWORT

In vielen Ländern ist der Mythos von der Atomkraft als unbegrenzte, konkurrenzlos
günstige und sichere Energiequelle stark verblasst, in anderen Teilen der Welt erlebt 
er gerade einen Aufschwung. In Deutschland sprechen inzwischen selbst die großen 
Energiekonzerne davon, dass die Zukunft allein den Erneuerbaren Energien gehört. 
Offiziell geht der Streit nur noch darum, wie schnell die vorhandenen 
Atomkraftwerke vom Netz gehen können und sollen. Von den Profiteuren und 
Anhängern der Nuklearenergie wurde ein neuer Mythos in die Welt gesetzt: 
Atomkraft sei eine unabdingbare Brückentechnologie ins Solarzeitalter
und unerlässlich für eine CO2-neutrale Energieversorgung. Mit diesem Argument 
hat die liberal-konservative Bundesregierung den «Ausstieg aus dem Ausstieg» 
beschlossen. Die deutschen Atomkraftwerke sollen nun länger laufen, offiziell 
sind es durchschnittlich 12 Jahre, faktisch wären es wohl mehr.
Diese Entscheidung wirkt über die deutschen Grenzen hinaus als Signal. Sie stützt die 
Behauptung von einer globalen «Renaissance der Atomkraft». Dabei geht es weniger 
um Fakten - tatsächlich kann von einem Boom der Nuklearenergie keine Rede sein - 
als um den Versuch, die Kritiker der Atomenergie als ewig Gestrige erscheinen zu 
lassen, die den neuen Trend nicht mitbekommen haben. Die Auseinandersetzung um 
die Atomenergie ist neu eröffnet. Geblieben sind die alten Streitfragen um Uranabbau, 
Unfallrisiken und die Lagerung des radioaktiven Abfalls. Neu diskutiert wird die 
Frage, ob Atomenergie einen Beitrag gegen den Klimawandelleisten kann, ob mit 
ihr die Energiesicherheit wächst und wie das wachsende Risiko nuklearer 
Proliferation zu bewerten ist.
Vor diesem Hintergrund hat die Heinrich-Böll Stiftung namhafte Experten beauftragt, 
Fakten und Argumente zu den wichtigsten Mythen der Atomkraft aufzubereiten. Die 
Ergebnisse dieses ersten Projekts wurden 2006 in dem Sammelband Mythos 
Atomkraft publiziert, der auf große Nachfrage traf und in neun Sprachen übersetzt 
wurde. Die hier vorliegende Veröffentlichung ergänzt und aktualisiert diesen Band. 
Sie zielt nicht nur auf den Hausgebrauch, sondern auf die internationale Kontroverse 
um die Atomenergie.
Zunächst machen die Beiträge deutlich, dass von einer «Renaissance der Atomkraft» 
keine Rede sein kann. Die Zahl der Atomkraftwerke nimmt weltweit stetig ab. Aktuell 
sind noch 437 Reaktoren in Betrieb. In den nächsten 15-20 Jahren werden mehr alte 
Anlagen vom Netz gehen, als neue in Betrieb genommen werden. Angekündigt ist 
der Neubau von etwa 160 neuen Kraftwerksblöcken, davon allein 53 in China. Aber 
längst nicht alle Absichtserklärungen werden Wirklichkeit. Dafür sorgen schon die 
galoppierenden Kosten für neue Reaktoren.

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