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Urangate: Beschiebe- und Bestechungsskandal in der Atomindustrie (1988)

AuteurRobert Jungk, Fischer
Datum1988
Classificatie 2.01.8.72/01 (DUITSLAND - HANAU - OMKOOPSCHANDAAL TN)
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Uit de publicatie:

,,Weiter so Deutschland" und ,,Leistung muß sich wieder lohnen"- nirgendwo hatte
man die Leitsätze der Wende-Regierung so erfolgreich umgesetzt, wie bei 
TRANSNUKLEAR (TN). Die Abteilung ,,Radioaktive Abfälle" hatte ihren Umsatz 
von 1979-86 verzehnfacht Die Firma mit der einzigartigen Monopolstellung erledigte 
80 Prozent aller Atommüll-Transporte. Seit dem 17. Dezember 1987 ist sie, nach 
Entzug der Transportgenehmigung, nun selbst erledigt.
Nach der Saga der ,,friedlichen Nutzung der Kernenergie" sollten allein höchste 
Sicherheitsmaßstäbe das Handeln der dort Beschäftigten bestimmen. Fall und Fallen
von TN aber beweisen, es ist wohl das beinhärteste, ja brutalste Geschäft, 
Atomkraftwerke zu ,,entsorgen", wie es so schön heißt. Durchbeißen kann sich da nur 
wer zupackt, Probleme löst, egal wie, auch wenn sie grundsätzlich unlösbar sind und 
bleiben. Wenn eine Maschine nicht läuft, muß man sie eben ölen, soll Geschäftsführer
Hachstein seine Leute angetrieben haben. Und das Schmiermittel, das alle Probleme
(scheinbar) löste und weiterhin löst, heißt Geld, Geld und nochmal Geld.
Manager und leitende Angestellte von TN und NUKEM scheuten sich dabei nicht,
nach dem Vorbild der Flick-Republik auf ihre Weise ,,Klimapflege" zu betreiben, 
Aufträge durch Bestechung ranzuschaffen, Sicherheitsbeauftragte, Kontrolleure und
selbst Beamte zu kaufen.
Den Aufstieg wie Phönix aus der Asche verdankte die Firma TN dieser knallharten
Management-Strategie und dem Umstand, eine vorrübergehende Scheinlösung dafür
anzubieten, daß es bisher nirgendwo auf der Welt eine funktionierende ,,Entsorgung"
gibt, und kein Endlager für Atommüll existiert.
Kraftswerksbetreiber und vor allem Politiker von CDU/CSUISPD/FDP griffen 
gleichermaßen begierig nach diesem Modell, daß Spaltmaterial auf Straßen, Bahnen
Schiffen und selbst in Flugzeugen beständig von Land zu Land kreisen läßt. TN 
handelte, arbeitete auch im Staatsauftrag und lebte von Staatszuschüssen! Die 
Weltgeltung der kleinen Firma aus der Provinz ist durch den Export von Know-how 
und durch ihre Firmenbeteiligungen von New York bis zum Cap in Südafrika, von 
Argentinien über Taiwan bis Tokio ausgewiesen.
Der jähe Absturz des Schnellaufsteigers TRANSNUKLEAR hat ein Drehbuch, 
welches zahllose Parallelen zur Flick- oder Barschel-Affäre aufweist. Fallengelassene
Mitwisser, Steuerbetrug, Angst, das Panikgefühl: rette sich wer kann, oder der schiere
Zufall brachten die Fässer ins Rollen. Auch die Rolle des Flicksehen Oberbuchhalters
Diehl (,,wg. Kohl") wiederholte sich und seine ,,Listen" wiesen den Weg zu 
Empfängern der ,,Nützlichen Aufwendungen" (NAs).

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