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Analyse und Bewertung des Entwicklungsstands, der Sicherheit und des regulatorischen Rahmens für sogenannte neuartige Reaktorkonzepte (2024)

AuthorC.Pistner, M.Englert, C.von Hirschhausen, F.Böse, Steigerwald, L.Gast, Donderer
6-01-3-50-31.pdf
DateMarch 2024
Classification 6.01.3.50/31 (NUCLEAR SAFETY - REACTORS - NEW GENERATIONS - GENERAL)
Front

From the publication:

Analyse und Bewertung des Entwicklungsstands, der Sicherheit und des 
regulatorischen Rahmens für sogenannte neuartige Reaktorkonzepte
BASE – FORSCHUNGSBERICHTE ZUR
SICHERHEIT DER NUKLEAREN ENTSORGUNG
März 2024

AUFTRAGNEHMER:INNEN:
Öko-Institut e.V., Darmstadt
Dr. Christoph Pistner
Dr. Matthias Englert
TU-Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP)
Prof. Dr. Christian von Hirschhausen
Fanny Böse
Björn Steigerwald
Lukas Gast
Physikerbüro Bremen
Richard Donderer

Zusammenfassung
International werden seit Jahrzehnten sogenannte „neuartige“ Reaktorkonzepte 
(SNR) diskutiert, erforscht und entwickelt. Im Fokus stehen dabei häufig sechs 
Technologielinien, deren Entwicklung von einem internationalen 
Forschungsverbund, dem „Generation IV International Forum“ (GIF) verfolgt wird.
Daneben gibt es aber auch andere Entwicklungen, die nicht unmittelbar den 
Technologielinien des GIF zugeordnet werden können. Hierzu zählen insbesondere 
beschleunigergetriebene Reaktoren. Innerhalb der Technologielinien wird zum 
Teil eine größere Anzahl verschiedener konkreter Reaktorkonzepte von 
unterschiedlichen Staaten oder Firmen verfolgt.
SNR sollen nach Ansicht ihrer Entwickler gegenüber heutigen in Betrieb 
befindlichen Kernkraftwerken in Bezug auf Kriterien wie Brennstoffausnutzung, 
Sicherheit und Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit sowie nuklearer 
Nichtverbreitung (Non-Proliferation) im Vorteil sein. Ebenso wird ein 
reduzierter Anfall von hochradioaktiven Abfällen als möglicher Vorteil benannt 
sowie ein Einsatz zum Management radioaktiver Abfälle (Transmutation). Diesen 
Ankündigungen steht gegenüber, dass solche SNR, trotz zum Teil jahrzehntelanger
Entwicklung, bisher entweder technologisch noch nicht ausgereift sind oder
sich aus kommerziellen oder sicherheitstechnischen Gründen nicht durchgesetzt 
haben.
SNR werden häufig auch als eine „vierte Generation“ von Reaktorkonzepten 
bezeichnet. Im Rahmen des GIF wurde dazu ein Generationenbegriff eingeführt, 
der sich auf eine erste Generation früherer Prototypreaktoren, eine zweite 
Generation großer Leistungsreaktoren und eine dritte Generation 
fortgeschrittener Leistungsreaktoren bezieht. Diesen stellt das GIF die sechs 
verschiedenen Technologielinien gegenüber, die es unter dem Begriff einer
 „vierten Generation“ zusammenfasst.
Diese Technologielinien unterscheiden sich jedoch in wesentlichen Merkmalen von 
den heute weltweit in Betrieb befindlichen Kernkraftwerken (überwiegend 
Leichtwasserreaktoren, LWR). Im Sinne eines technologischen Generationenbegriffs 
ist eher eine Einteilung der Entwicklung innerhalb einer Technologielinie 
sinnvoll, beispielsweise in erste Experimentalreaktoren, erste 
Demonstrationsreaktoren, erste Leistungsreaktoren und weiterentwickelte 
Leistungsreaktoren. Bei einer derartig differenzierten Betrachtung des 
Forschungsstandes innerhalb der verschiedenen Technologielinien müsste für SNR 
von Reaktorkonzepten einer ersten oder zweiten Generation gesprochen werden, 
da typischerweise bisher nur erste Experimentalreaktoren bzw. 
Demonstrationsreaktoren gebaut wurden. Aus diesem Grund wird im Rahmen der hier
vorgenommenen Untersuchung der Generationenbegriff des GIF nicht verwendet und 
stattdessen weiterhin von sogenannten „neuartigen“ Reaktorkonzepten (SNR) 
gesprochen.
1
Im Rahmen dieser Untersuchung werden relevante SNR mit Blick auf verschiedene 
Kriterien analysiert und bewertet. Von besonderem Interesse für eine Einschätzung
von SNR sind der technische Entwicklungsstand der Konzepte, Fragen zur 
kerntechnischen Sicherheit, Fragen der Brennstoffver- und -entsorgung, 
Proliferationsrisiken sowie ökonomische Aspekte. Weiterentwicklungen heutiger 
Leicht- und Schwerwasserreaktoren sind nicht Gegenstand der hier vorgenommen 
Untersuchungen. Weiterhin werden Entwicklungen im Bereich sogenannter „Small 
Modular Reactors (SMR)“ nicht vertieft betrachtet.